Arlen Kashkurevich

Rahatschou 1902-1980 St. Petersburg

Arontschik – Porträt eines jungen Mannes

 

Lithografie auf Bütten, aus den 1950/60er Jahren

unten rechts handsigniert

unten links kyrillisch betitelt „Арончик“, num. 6

Sujet 41 x 30 cm, Maße im Passepartout 70 x 50 cm

sehr guter Erhaltungszustand

Provenienz: Sammlung Georg Brühl, Chemnitz

 

Eine charakteristische erfrischende Darstellung eines jungen Mannes, geschaffen von Anatoli Lvovitsch Kaplan (Rahatschou/Weisrussland 1902-1980 St. Petersburg) – einem renomierten Maler der russ. Avantgarde, Bildhauer und Grafiker weißrussisch-jüdischer Herkunft.

 

Auf den Rat von Marc Chagall (1887-1985), den der junge Kaplan in Witebsk/Russisches Kaiserreich (heute Weißrussland) kennengelernt hatte, reiste er im Jahr 1922 nach Petrograd (heute St. Petersburg) und trat in die Akademie der Bildenden Künste ein. Nach seinem Abschluss 1927 blieb er in dieser Stadt. Sie wurde bis zum Lebensende seine Heimat, auch wenn er immer wieder die Orte seiner Kindheit besuchte. Kaplan schlug sich als freier Künstler durch, akzeptierte an Aufträgen, was sich gerade bot, ob als Gebrauchsgrafiker, Bühnenbildner, Innenraumgestalter oder Illustrator. In den dreißiger Jahren arbeitete er innerhalb einer Gruppe von Malern und Lithographen, die das Leben in der „Autonomen Jüdischen Republik“ thematisierte. Diesen Bezirk im äußersten Osten Russlands hatte Stalin in der Absicht geschaffen, die jüdische Bevölkerung dorthin umzusiedeln. Im Jahr 1937 erhielt Kaplan den Auftrag des Leningrader Ethnographischen Museums, für die jüdische Sektion eine Serie von Lithographien zu schaffen. Hier, in der Experimentierwerkstatt des Leningrader Künstlerverbandes, erlernte Kaplan systematisch die Techniken der Druckgrafik. Er entwickelte auch eigene Verfahren. Der Krieg brachte einen harten Einschnitt in Kaplans künstlerisches Wirken. Erst 1944, nach der Rückkehr aus der Evakuierung im Ural, konnte er seine Arbeit wieder aufnehmen. Er begann sofort mit einem Lithographien-Zyklus über die Leiden seiner Stadt. 1946 erschien die Mappe „Leningrad in den Tagen der Blockade“. Kaplan führte die Bildfolge bis zum Ende der fünfziger Jahre weiter und bezog den Wiederaufbau ein. Ab 1953 konzentrierte sich Kaplan wieder ganz auf jüdische Themen. Ab 1967 schuf Kaplan vor allem Keramiken und Skulpturen. In Formen und Farben bewies er einen phantastisch-spielerischen Umgang mit dem Material. Die erste große Ausstellung mit Werken von Anatoly Kaplan fand nach seinem Tod 1989 in Leipzig statt. Es war ein großer Erfolg und hat zu einer Menge von Ausstellungen seiner Arbeiten in verschiedenen deutschen Städten, sowie zur Veröffentlichung zahlreicher Bücher mit seinen Bildern geführt. Kaplans Werke sind heute in Museen des Vatikans, New York, Jerusalem, Amsterdam, London, Dresden Art Gallery, die National Gallery of Canada, Russischen Museum St. Petersburg u. a. zu sehen. 1965 wurde Anatoly Kaplan eine Silbermedaille bei der Internationalen Messe für Buch-Kunst in Leipzig vergeben; 1966 und im darauf folgenden Jahr wurde er bei der "Biennale" in Venedig mit dem Ehrenpreis geehrt.

 

Preis: 300 €